Linux NetMag #3
Titel: Alternative Webbrowser
URL: http://www.linuxnetmag.de/de/issue3/m3browsers1.html

Frei nach dem Motto "Es muß nicht immer Netscape sein" haben wir uns mal umgesehen, was sich sonst noch so an Browsern auf dem Linux-Markt tummelt und wurden von einer ungeahnten Vielfalt überrascht. Für den, der nicht das Allroundmonster benötigt, finden sich kleine Helfer, die sich ihre Nieschenplätze in der Netznahrungskette gesucht haben.

[ Gzilla | Qtscape | grail | skate | KFM | Statistik ]


Der Communicator ist ein wahrer Alleskönner: e-Mail, News, Collobra, Composer und nicht zu vergessen Java, Javascript und auch teilweise CSS werden von ihm angeboten. Aber was, wenn man all diese Vorzüge nicht braucht? Es gibt zwar auch die Navigator-Version, ohne die Zusatzprogramme, aber selbst dieses Programmpaket ist für viele noch überdimensioniert.
Also jedesmal, wenn in einer e-Mail ein Link auf eine HTML-Seite ist, gleich Netscape laden, obwohl sie damit die Seite nur für den Offline-Cache vormerken wollen? Die lange Ladezeit nimmt man dafür nur ungern in Kauf.

Aber es gibt genug andere Browser, auch unter Linux, die als Alternative denkbar wären, aber sie sind kaum bekannt. Dies wollen wir ändern, und die einzelne Programme hiermit vorstellen. Textbasierte Browser wie lynx lassen wir dabei außer acht, und auch Browser, die sich noch so tief in der Entwicklung befinden, daß sie noch nicht zu gebrauchen sind.

Auf unserem Testfeld fanden sich die Browser GZilla, Grail, mmm, KFM, Qtmozilla und Skate.
 
 

Gzilla
Gzilla Icon
Gzilla ist das kleinste Programm in unserem Testfeld und kann auch entsprechend schnell geladen werden. Es benutzt GTK und unterstützt Themes. Besonders duch seine kurze Ladezeit eignet es sich hervorragend um es aus anderen Programmen kurz aufzurufen (z.B. aus dem mail-Client).
Gzilla Screenshot

Gzilla erlaubt das Anlegen von Bookmarks, bietet aber keine Funktion diese auch zu editieren. Die Bookmarks werden im html-Fromat  unter ~/.gzilla/bookmarks.html gespeichert, wie dies auch von Netscape bekannt ist. Beide Formate sind kompatibel, so daß man bei einem Kopieren der Netscape-Bookmarks diese auch unter Gzilla benutzen kann.
Preferences-Einstellungen kennt Gzilla gar nicht. Aber es unterstüzt trotzdem Proxies, denn es benutzt den Proxy, der in der Umgebungsvariable
$http_proxy konfiguriert ist. Diese ist einstellbar mittels

>> export http_proxy="http://localhost:8080"

Leider geht die Geschwindigkeit von Gzilla auf kosten der Funktionalität, so kann er weder Tabellen, farbige Schriften, farbigen Hintergrund oder animierte Gifs darstellen. Transparente Gifs werden teilweise unterstüzt, wobei die Transparente Farbe einfach durch das Grau ersetzt wird, welches jedes Dokument bei Gzilla als Hintergrundfarbe benutzt. Dies funktioniert aber nur, solange man unter GTK keine Themes benutzt. Denn dann entspricht diese Farbe nicht mehr der Fensterfarbe. Außerdem hat Gzilla Probleme bei einigen CGI-Formularen. Frames, Java oder Java-Skript werden nicht unterstützt. Aber dies überrascht wohl kaum.
Trotz der fehlenden Funktionalität ist Gzilla durchaus für einen Einsatz geeigen. Denn seine schnellen Ladezeiten und auch die sehr schnelle Darstellung von Internetseiten können dazu benutzt werden mittels Gzilla das Web sozusagen schnell vorzukundschaften, um dann mittels großen Bruders (Communicator) die richtigen Seiten anzuschauen. Ein derartiges Vorgehen empfiehlt sich besonders, wenn man in einer Suchmaschine viele Links überprüfen muß.
Homepage: http://www.gzilla.com/
 
 

Grail

Grail LogoGrail ist ein Browser, der komplett in Python und TCL/TK geschrieben wurde und dadurch auf vielen verschiedenen Plattformen läuft, leider auf kosten der Geschwindigkeit. Grail braucht recht lange zum Starten, jedoch ist dies noch nichts im Vergleich zur Zeit, die Grail benötigt, um Seiten (speziell Seiten mit Tabellen) darzustellen. Hier ist die benötigte Zeit nicht mehr akzeptabel. Dies ist schade, da das Programm an sonsten sehr komfortable ist. Es importiert automatisch die Netscape-Bookmarks und läßt sich komfortabel über einen Preferences-Dialog konfigurieren.
Besonders für Programmierer interessant ist die Unterstützung von Plugins.

Grail Screenshot
Zusätzlich ist es möglich für Grail "Applets" zu programmieren, die statt in Java in Python geschrieben sind und im Browser ausgeführt werden.
Grail unterstütz HTML 2.0 komplett und teilweise HTML 3.2. Wegen der schlechten Performance des Programms ist es aber nur auf schnellen Rechnern zu empfehlen.
Homepage: http://monty.cnri.reston.va.us/grail/
 
 
MMM

Ein weiterer Browser, der unter GPL programmiert wird ist MMM. Auch dieser Browser ist in einer Skriptsprache geschrieben (CamlTK41) und dementsprechend träge. Er benötigt Tcl7.5/Tk4.1p1 oder besser. Beim Zeitvergleich für einen Seitenaufbau liegt das Programm gleich hinter Grail. Besonders lange benötigt MMM für den Aufbau von Tabellen, untertützt aber im Gegensatz zum größen Teil der Konkurrenz auch Frames.  Teilweise hängt sich das Programm auf, wenn eine Bilddatei in einer Seite nicht erhältlich ist, und der Link nur ins Leere zeigt.
Das Programm ist sehr umfangreich konfigurierbar und unterstützt neben Einstellung des Proxys auch gamma-Korrektur der Grafiken bis hin zur Konfiguration der einzelenen HTML-Tags.

MMM Scrennshot

Etwas störend ist, daß das Programm bei der Eingabe der URL auf das "http://" besteht und ansonsten den Dienst verweigert.
Leider versteht das Programm bei Bildern die Tags WIDTH und HEIGHT nicht, so daß das Bild immer in seiner Ursprungsgröße angezeigt wird, und das Programm unterstützt auch keine farbigen Tabellen oder farbige Schrift.
Homepage:  http://pauillac.inria.fr/~rouaix/mmm/
 
 
 
 
 

KFM

KDE LogoAuch der K-File-Manager (KFM) eigenet sich zum Websurfen und zeigt sich dabei glänzender als man auf den ersten Blick denken könnte. Auch zeigt sich hier, daß die Aussage, daß alle KDE-Programme langsam sind, heute nur noch ein unbegründetes Vorurteil ist. Kein anderer Browser startet so schnell wie der KFM.
Zusätzlich zu diesem Vorteil kommt die von KDE gewohnte komfortable Bedienung. Die Bookmarkliste kann in einem File-Browser (dessen eigentliche Funktion ja KFM ist) editiert werden, Die Programm-Einstellungen, darunter auch Proxy, erfolgen alle mittels grafischen Frontends und es gibt sogar eine Verwaltung  von Cookie-Regeln für verschiedene Server. Nur Java wird noch nicht vom KFM unterstützt. Dies kann man aber wohl meistens verschmerzen. 
Nun aber für den KFM ganz KDE zu installieren ist wohl übertrieben, aber falls auf ihrem System schon eine KDE-Installation existiert, ist das Programm auch für nicht-KDE-Benutzer durchaus eine Überlegung wert.
KFM ist teil des KDE-Pakets:  http://www.kde.org
 
 

Skate

SkateSkate ist ein komplett in Java geschriebener Web-Browser, der nicht speziell für Linux entwickelt wird, von dem aber eine an Linux angepaßte Version existiert (das Paket beinhaltet dann spezielle Skripte zum starten des Programms unter Linux). Da beim Starten von Skate auch ersteinmal die gesamte Java-Virtual-Maschine hochgefahren werden muß, dauert es entsprechend lange, bis Skate auf dem Bidschirm erscheint. Das Programm beglückt uns dann mit einer sehr schlichte Button-Leiste:

Skate-Buttonleiste

Aber das Programm ist auch nicht als große Applikation gedacht, sondern als kleiner portabler Browser. Die Seitendarstellung erfolgt überraschend schnell und meistens korrekt. Skate unterstützt natürlich auch Java-Applets (übrigens als einziger Browser im Vergleichsfeld). Die Bookmarks müssen jeweils beim Abspeicher schon in die Rubriken Shopping, News,  Sports, Programming, Downloads oder Pers√∂nliches einsortiert werden. Eigene Rubriken kann man leider nicht erstellen. Auch zum verschicken von e-Mails bietet Skate ein kleines Mail-Programm, welches aber nur als Notlösung zu verstehen ist und kein eigenes Mail-Programm ersetzen kann.
Die zeitweiligen Abstürze sind wohl auch auf Linux teilweise fehlerhafte Java VM zurückzuführen.
 
 

qtscape

qtscapeKurz nachdem Netscape den Quellecode ihres Communicators veröffentlicht hat, haben sich einige Programmierer bemüht, eine Communicator-Version in QT-Libraries zu programmieren. Dieses Projekt, zuerst qtscape genannt, später qtmozilla, wurde dann aber schnell von Mozilla abgelöst. Das unvollständige Resultat dieser Arbeit ist aber trotzdem  zu gebrauchen. Da Qtscape ohne Mail-, News- und Composerprogramm daherkommt und statt Motif die flotteren QT-Libraries verwendet, startet es entsprechend schneller und ist auch in der Bedienung nicht so träge wie sein großer Bruder.

qtscape Screenshot

Allerdings muß man sich daran gewöhnen, daß einige Buttons und Menüpunkte ohne Auswirkung bleiben. Die Programmierung ist eben nie abgeschlossen worden. Hingegen funktionieren Preferences und Bookmarkverwaltung wie gewohnt. Ein Nachteil ist, daß qtscape bei Grafiken, die ein Link sind, die Koordinaten des Mausklicks hinter die Internetadresse anhängt. Dieses Feature (kein Bug) verhindert allerdings den Einsatz von qtscape bei einem Offline-Proxy (z.B. wwwoffle), da man so beim nächsten Besuch der Seite genau den selben Pixel anklicken müßte.
QtMozilla wird offiziell nicht mehr unterstützt, mit etwas Glück findet man trotzdem noch alte Sourcen unter http://www.troll.no.
Aber nach neuesten Gerüchten soll das Projekt nun wiederbelebt werden.
 
 

Statistik

In den folgenden Grafiken werden die benötigten Zeiten zum Laden der verschiedene Programme miteinander verglichen
Der blaue Balken ist die benötigte Zeit beim ersten Programmstart, der Rote beim darauffolgenden zweiten start (starten aus dem Cache)

<--- besser
Vergleichstabelle Wartezeit

Die Zeiten sind keine absoluten Zeiten, sondern nur zum Vergleich gedacht. Als Referenz wurden auch die Zeiten des Netscape Communicators mit angegeben.

<--- besser
Vergleichstabelle Seite Laden

Hier werden die benötigten Zeiten (im relativen Vergleich) zum Laden einer Internetseite angegeben. Es handelte sich dabei um eine Seite im lokalen Netz, so daß die Zeiten unabhängig von den Übertragungsraten sind.
 

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