Linux NetMag #4
Titel: Sternenkarten mit xplns und xephem
URL: http://www.linuxnetmag.de/de/issue4/m4xplore1.html

Astronomie Astronomie-Programme gibt es in Massen für Linux. Die meisten Programme sind aber nur für die Forschung interessant (weil dort gerne mit Linux gearbeitet wird).
Aber auch der Hobby-Astronom geht nicht leer aus. Zwei nützliche Programme stellen wir kurz vor:


xephem Logo

xephem Screenshot Das wohl umfangreichste Programm zum generieren von Sternenkarten ist Xephem. Bereits in der Version 3.2.2 erhältlich, wird es immer noch regelmäßig verbessert und erweitert.
Somit kann das Programm weit mehr als nur Sternenkarten zeichnen, auch Ansichten verschiedener Planeten unseres Sonnensystems sind erhältlich. Besonders gelungen ist dabei unser Mond, der mit einer hochauflösenden Textur überzogen wurde.

Besonders für Planetenbeobachten interessant ist die Möglichkeit, sich anzeigen zu lassen, auf welchem Punkt der Erde ein Planet im Zenit steht. Somit ist schnell einsehbar, ob ein Planet überhaupt beobachtbar ist oder hinter dem Horizont liegt.
Das erzeugen von Sternenkarten ist mit Xephem besonder komfortabel. Das Programm besitzt standardmäßig eine umfangreiche Liste an Beobachtungsorten. Wohl jeder findet einen Ort aus seiner Umgebung.
Die Positionen der Sterne berechnet Xephem aus einer mitgelieferten Datei, aber falls man immer die aktuellsten Daten benutzen will, ist es sogar möglich, diese automatisch aus dem Internet herunterladen zu lassen.
Mit einem umfangreichen Optionen-Fenster kann man auswählen, was alles auf der Sternenkarte aufgeführt werden soll; und ein zusätzlicher Filter ermöglicht es, nur diejenigen Sterne, Galaxien und Nebel darstellen zu lassen, die bestimmte Kriterien erfüllen (z.B. Helligkeit, Galaxienform ...).

Als besonders gelungen (im Vergleich zu Xplns) kann man den Ausdruck der Sternenkarten bezeichnen. Der Ausdruck kann sowohl farbig als auch in schwarz-weiß erfolgen und auch ein Exportieren in eine Postscript-Datei ist möglich.

Xephem ist sowohl als Quellcode als auch als Binärdatei erhältlich. Dies liegt daran, daß Xephem als Toolkit die kommerzielle Bibliothek Motif verwendet. Besitzen sie diese Bibliothek nicht, sollten sie die Binärversion heruterladen. Dort sind die Motiv-Libraries statisch eingebunden, so daß sie diese nicht seperat benötigen.
Xephem kompiliert allerdings auch mit der GPL-Bibliothek Lesstif, welche ein freier Clone der Motif-Bibliothek ist. Allerdings ist Lesstif immer noch nicht 100% kompatibel zu Motif, so daß es teilweise zu Darstellungsfehlern bei der Oberfläche kommt. Dies ist zwar nicht gefährlich, teilweise aber störend. Kompiliert man Xephem mit Lesstif und bindet die Bibliotheken dynamisch ein, ist das Programm wesentlich kleiner als das mit Motif statisch kompilierte Programm.
Anfängern sei aber dringend empfohlen, lieber die fertigen Binärdateien zu benutzen.

Xplns

Xplns ist besonders dafür geeignet, für seine nächtlichen Himmelsbeobachtungen schnell aktuelle Sternenkarten zu generieren.
Die Optionen für die verschiedenen Darstellungsarten sind nahezu vollständig über eine Buttonleiste erreichbar. Hat man ersteinmal verstanden, welche Funktion sich hinter welchem Knopf verbirgt, kann man schnell geeignete Sternenkarten erzeugen.

Leider hat das Programm mehrere Schwachpunkte, die nicht ohne weiteres zu beheben sind, denn Xplns wird nicht unter GPL vertrieben. Das Programm, das zwar frei kopiert werden kann, steht nämlich nur als Binärdatei zur Verfügung.
Die Ursache dafür liegt darin, daß das Programm auch Programmteile des kommerziell vertriebenen Programmes "Stella Navigator" für Windows besitzt. Um dieses Produkt zu schützen, ist auch Xplns nicht als Quellcode erhältlich.
Dies ist um so bedauerlicher, weil eben einige wichtige Funktionen bei Xplns einfach fehlen, die andere Programmierer bereits ohne größeren Aufwand hinzugefügt hätten.
Bei den vermißten Optionen handelt es sich hauptsächlich um die Möglichkeit das erzeugte Sternenbild als Postscript zu exportieren, um es somit auch ausdrucken zu können. Hat man keinen Laptop, den man sich zu seinen Sternenbeobachtungen mitnehmen kann, so muß man wohl einen Screenshot von Xplns erzeugen, um seine Karte ausdrucken zu können.

xplns Screenshot

Die zweite fehlende Option ist die Möglichkeit, weitere Beobachtungsorte der bereits bestehenden Liste hinzuzufügen. Die mitgelieferte Liste an Orten ist recht kurz und beschränkt sich hauptsächlich auf Nordamerika. Will man selbst weitere Beobachtungsorte hinzufügen, muß man die Datei "xplns.obs" per Hand editieren.
In der Datei xplns.obj muß man dann einen Eintrag in folgender Form hinzufügen:

Ortsbeschreibung    Längengrad    Breitengrad    Höhe   Zeitzone(nach GMT) 
Für Hamburg ergibt das z.B.:
Hamburg, Germany                        9.800E   53.600N -1   +01.00
Xplns ist dabei besonders penibel, was die Spalten angeht, in welcher der Text steht.

Spalte
Inhalt
1 - 40
Name des Ortes
41 - 49
Längengrad, 49. Buchstabe ist "E" falls Ost, "W" falls West
50 - 57
Breitengrad, 57. Buchstabe ist "N" falls Nord, "S" falls Süd
58 - 62
Höhe über dem Meeresspiegel
63 - 69
Zeitzone in Stunden, östlich von Greenwich ist "+", anderfalls "-"
70
line-feed (\n)

Aber das Programm besitzt auch eine Reihe an Vorzügen. So ist besonders die flüssige Darstellung des Sternenhimmels beeindruckend. Wenn man an den Scrollbalken die Sichtrichtung verändert, entsteht ein richtiger 3-dimensionaler Eindruck der Himmelskugel.
Sehr schön ist auch die Möglichkeit, die Sterne am virtuellen Himmel wandern zu lassen und dabei eine Linie am Himmel ziehen zu lassen. Das Ergebnis entspricht den Bekannten Himmelsaufnahmen mit langen Blendenzeiten.
Hierbei kann man auch dem letzten Ungläubigen beweisen, daß auch der Polarstern eine Kreisbewegung vollführt.
Als Darstellungsarten gibt es die Äquatoriale, die Horizontale, aber auch eine Sonnen-System Darstellung wird unterstützt, bei der man unser gesamtes Sonnensystem und den dahinter befindlichen Sternenhimmel im Überblick hat.
Natürlich läßt sich einstellen, ab welcher Magnitudine die Sterne dargestellt werden, so daß besonders Anfänger sich schneller am Himmel zurechtfinden.
Auch Galaxien und Nebel werden dargestellt, und bei einem Mausklick auf das Objekt öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem zusätzliche Informationen erhältlich sind (Name, Magnitudine, Winkelmaß, R.A., ...).

Besonders wegen der unkomplizierten Bedienung wendet sich Xplns im Gegensatz zu XEphem besonders an den Astronomie-Anfänger, der schnell einige Sternenkarten sehen oder nur interessehalber an den verschiedenen Funktionen herumspielen will.

Links:
     Homepage Xephem:http://www.ClearSkyInstitute.com/xephem/xephem.html
     Homepage xplns:http://www.astroarts.com/products/xplns/index.html