LinuxNetMag
Analoge Kamera für DM 120
Archiv | Home
Inhalt
   
LinuxNetMag #5

  Software
 Aktuell
kurz vorgestellt
SuSE7.0 Testbericht
Mozilla Preview
 Applikationen
Videoschnittsystem
Windows X-Server
Windowmanager
 3D
 Spiele
  
 

Hardware

TV-Karte
Wheel-Mouse
Webcam selbstgebaut
  
 

Netzwerk

Web2Fax-Gateway
Apache mit SSI
Booten übers Netz
Webcam-Streaming
offline Mailingliste
  
 Wissen
Abenteuer ReiserFS
Linux-Devices
LinuxExpo Brasilien
  
 

Sonstiges

Mailing-Liste
Gästebuch
Artikelliste
Unterstützen Sie uns !
zurück zur Hauptseite



Druckversion


  Analog-Kamera Nur die wenigsten Webcams funktionieren auch unter Linux.
Was liegt also näher, als sich seine Linux-Kompatible Webcam selber zu bauen ...

Autor: Matthias Kranz

1. Einleitung

Wer unter Linux Daten von Video-Quellen aufzeichnen möchte, hat hier zur Zeit noch nicht viel Auswahl: eine Webcam für den Parallel-Port oder eine teure analoge Kamera (HI8 u.ä.) für den VIDEO-IN einer TV-Karte. Mit USB-Webcams sieht es nicht gut aus: erst ab der im September offiziell erscheinenden Kernel-Version 2.4 wird es eine funktionierende USB-Unterstützung für Linux geben.

Ich wollte jedenfalls schon immer eine kleine Überwachungskamera haben auf deren Daten ich von meinem Linux-Rechner aus zugreifen kann (Zweck: nicht 3 Stockwerke nach unten rennen, um dann festzustellen, daß mir mal wieder ein Gestrandeter Zeitungen verkaufen will, oder mir die jungen dynamischen Herren von der Kriegsgräberfürsorge das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Das sind hoch und runter 6 Stockwerke - und ab einem gewissen Alter (besser: Faulheitsgrad) ist das zu viel.)

Allerdings gibt es auch eine Alternative. Bei Conrad Electronic gibt es (unter anderem ;-) auch Kameramodule. Diese senden analoge Videosignale - just das, was man an den VIDEO-IN-Eingang einer TV-Karte oder modernen Grafikkarte anschließen kann.

2. Einkaufsliste

Bevor wir anfangen können, benötigen wir ein paar kleine Teile:

Conrad Electronic bietet viele verschiedene Kamera-Modelle an. Die Preise liegen zwischen DM 50 für ein s/w Modul und DM 100 für ein Farb-Modul. Es gibt auch Kamera-Module mit einem stecknadelgroßen Objektiv - ideal für eine Spy-Cam (Kostenpunkt DM 200)

Wir haben uns für ein Farb-Modul für DM 100 entschieden, das eine Auflösung von 628 x 582 Pixeln bei PAL (der in Europa gängigen Fernsehnorm) und 510 x 492 bei NTSC (der amerikanischen Fernsehnorm) liefern kann. Die Größe des Kamera-Moduls ist ca. 3 x 2 cm. Das Datenblatt der Kamera mit den genauen Abmessungen und Spezifikationen kann hier heruntergeladen werden.

Zusätzlich benötigen wir noch ein paar Kondensatoren und Kleinkram sowie ein Netzteil, das 12 Volt liefert und automatisch heruntergeregelt wird.
Hier die komplette Einkaufsliste für Conrad Electronic - Gesamtkosten ca. DM 120.

  • 1 x Bestellnummer 190317 - das Kameramodul
  • 1 x Bestellnummer 527769 - eine Lötplatine
  • 1 x Bestellnummer 179205 - der Spannungswandler
  • 1 x Bestellnummer 188271 - der Kühlkörper für den Spannungswandler
  • 2 x Bestellnummer 453358 - Kondensatoren
  • 2 x Bestellnummer 460699 - Mini-Elkos
  • 1 x Bestellnummer 731510 - Chinch-Stecker für den einfachen Anschluß

Das ist bereits alles.

3. Lötplan

Ein Lötplan ist bereits im Datenblatt enthalten. Allerdings kommt damit jemand wie ich, der ungefähr so viel von Elektrotechnik versteht wie vom Mäuse melken, nicht so ganz zurecht. Gott sei Dank ist im Conrad-Katalog auf der Seite mit den Kamera-Modulen (Seite 880) ein einfacher zu verstehender Schaltplan für unsere Kamera (Modul 3) zu finden.

Hier eine Nachzeichnung (Conrad-Kataloge eigenen sich nicht wirklich zum Scannen - zu dünnes durchscheinendes Papier).


Zu beachten ist:
  • die beiden schwarzen ELKOs (Bestellnummer 460699) müssen so eingebaut werden, daß der Minus-Pol dem weißen Balken entspricht. Im aktuellen Conrad Katalog ist hierzu beim Bauteil selbst eine Skizze, welcher Ausgang was ist
  • beim kleineren schwarzen Kondensator (Bestellnummer 453358) ist es egal, wo Plus und Minus angeschlossen werden - daher 2 schwarze Balken
  • der Spannungswandler ist unbedingt korrekt einzubauen (es findet eine Spezifikation der Anschlüsse im Conrad-Katalog auf Seite 941), da sonst die Spannung von 12 Volt nicht auf 5 Volt heruntergeregelt wird. Das Kameramodul wird trotzdem laufen - ziemlich genau 4 Stunden....seufz. Von vorne, so daß die Schrift korrekt lesbar ist, sind die Eingänge von links nach rechts wie folgt: Eingang, Masse, Ausgang.
    Spannungswandler
  • der Spannungswandler braucht diesen Kühlkörper. Die 75 Pf da zu sparen wäre falsch.
  • bei der Kamera ist Ausgang 1(PWR), Ausgang 2(GND) und Ausgang 3(CVO) ist. (vgl. Conrad-Catalog)

Auf den folgenden Fotos (ich bitte die Größe der Seite zu enschuldigen) sollte der Schaltplan klarer werden.
Hier ein paar Fotos unserer Lösung.


Die Hauptplatine von oben



Das Kameramodul selbst ist kleiner als mein Daumen



Die Kamera mit Netzteil

Das war es bereits.
Bevor wir unsere neue Kamera ausprobieren, werden wir selbstverständlich mit einem geeigneten Spannungsmeßgerät überprüfen, ob irgendwo noch leitende Verbindungen sind und nicht sein sollten ... ! Nachdem wir das gewissenhaft gemacht haben, schließen wir die Stromquelle (ein 12 Volt Netzteil) an und stecken in den schwarzen Stecker der Kamera ein Chinch-Kabel (als Verlängerung) und stecken die andere Seite des Chinch-Kabels in den Antennen-Eingang des Fernsehers.

Wenn korrekt gelötet worden ist, dann sehen wir jetzt das Bild unserer Kamera - den Objektiv-Schutz der Kamera zu entfernen, daran haben wir gedacht ;-)

Wer Lust hat, kann die Schaltung noch etwas ergänzen. Falls Sie sehen wollen, ob die Kamera an- oder ausgeschaltet ist, dann sollten Sie eine rote LED ans Gehäuse anbringen. Dafür eignet sich hervorragend die Spezial LED aus dem Conrad-Katalog mit der Bestellnummer 182427. Die LED muß dann vor dem Kameramodul angeschlossen werden (die im Schaltplan mit 1 und 2 eingezeichneten Stellen).

Viel Spaß mit der neuen Kamera.

4. Anwendungen

Programme wie Kwintv oder xawtv können die Signale unserer Kamera abgreifen und aufzeichnen. Ich habe sie bei mir an meine Hauppauge WinTV Fernsehkarte angeschlossen. Zu beachten ist dabei: man muß den Chinch-Stecker der Kamera in den kleinen grauen Adapter für den composite1 Eingang anstecken - andere Eingänge funktionieren nicht. Desweiteren muß man im Programm selbst (xawtv oder kwintv) als Quelle Composite1 angeben.

Eine andere Anwendung als Webcam ist mit bttvgrab (kann über www.freshmeat.net heruntergeladen werden) zu realisieren. Hier gibt es die WebCam-Option. Dabei kann dann mittels ncftpput (ncftp kann man über www.freshmeat.net herunterladen) die Bidler automatisiert an einen Webserver via FTP übertragen. Wichtig: Das Config-File für ncftpput darf nur für den Eigentümer lesbar sein, da es den Usernamen und das Paßwort für den Webserver im Klartext enthät.

Meine Lösung ist zwar nicht unbedingt elegant, funktioniert dafür aber. Ich benutze 2 Scripte, webcam-an und webcam-aus. Was sie machen ist klar.

webcam-an
 #!/bin/sh
 echo "an" > /tmp/camera-status

 set-tv camera
 echo "Tuner auf Composite1";
 # nohup bttvgrab -f file:/tmp/webcam1.jpg -s 10 -w 200 -o jpg -Q -g /tmp/videolog &
 while (test -e /tmp/camera-status) 
 do
 echo "Kamera an - Bilder werden gesendet";
 nohup bttvgrab -f file:/tmp/webcam1.jpg -l 1 -s 1 -w 200 -o jpg -Q -g /tmp/videolog &
 sleep 3
 cp /tmp/webcam1.jpg /tmp/webcam.jpg
 sleep 3
 ncftpput -u FTPBENUTZERNAME -p FTPPASSWORT URL  ZIELVERZEICHNIS /tmp/webcam.jpg
 sleep 3
 done   
 echo "Kamera aus - Uebertragung gestoppt";

(download)

und

webcam-aus
 #/bin/sh
 if (test -e /tmp/camera-status)
 then {
 rm /tmp/camera-status
 sleep 10 
 cp /tmp/webcam-offline.jpg /tmp/webcam.jpg
 ncftpput -u FTPBENUTZERNAME -p FTPPASSWORT URL  ZIELVERZEICHNIS /tmp/webcam.jpg
 echo "Kamera aus - Aus-Bild uebertragen";
 }
 else {
 cp /tmp/webcam-offline.jpg /tmp/webcam.jpg
 ncftpput -u FTPBENUTZERNAME -p FTPPASSWORT URL  ZIELVERZEICHNIS /tmp/webcam.jpg
 echo "Kamera war aus";
 }
 fi
 
(download)

Dann werden die Bilder der Kamera automatisch auf dem Webserver upgedatet.

Viel Spaß damit !

5. Dokumentation

  • Aktueller Conrad-Katalog Seiten 880, 881, 941, u.a.
  • man ncftp
  • man ncftpput
  • man bttvgrab
  • man xawtv
  • man kwintv

6. Danksagung

Ich möchte an dieser Stelle Jan ganz herzlichen Dank aussprechen. Er ist es, der die Idee hatte, eine Kamera zu bauen, und er war es auch, der mir die Kamera gelötet hat. Ohne ihn gäbe es diesen Artikel nicht. Vielen Dank, mein alter Freund !


Dieser Artikel basiert auf einem Text von Matthias Kranz. Weitere Texte von M. Kranz und Jan Thiele findet man auf der Homepage http://www.price-of-freedom.de


Platz für Kommentare & Fragen:
(selbst eintragen)

    -verpolt? - 7.10., Gernot Tenchio
        -Re: verpolt? - 8.10., Ronny Ziegler

 

Weitere Ausgaben Linux NetMag
[ #1 | #2 | #3 | #4 | Main ]