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LinuxNetMag #5
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Nur die wenigsten Webcams funktionieren auch unter Linux.
Was liegt also näher, als sich seine Linux-Kompatible Webcam
selber zu bauen ...
Autor: Matthias Kranz
Wer unter Linux Daten von Video-Quellen aufzeichnen möchte,
hat hier zur Zeit noch nicht viel Auswahl: eine Webcam für
den Parallel-Port oder eine teure analoge Kamera (HI8 u.ä.)
für den VIDEO-IN einer TV-Karte. Mit USB-Webcams sieht
es nicht gut aus: erst ab der im September offiziell
erscheinenden Kernel-Version 2.4 wird es eine funktionierende
USB-Unterstützung für Linux geben.
Ich wollte jedenfalls schon immer eine kleine Überwachungskamera
haben auf deren Daten ich von meinem Linux-Rechner aus
zugreifen kann (Zweck: nicht 3 Stockwerke nach unten rennen, um dann
festzustellen, daß mir mal wieder ein Gestrandeter Zeitungen
verkaufen will, oder mir die jungen dynamischen Herren von der
Kriegsgräberfürsorge das Geld aus der Tasche ziehen wollen.
Das sind hoch und runter 6 Stockwerke - und ab einem gewissen
Alter (besser: Faulheitsgrad) ist das zu viel.)
Allerdings gibt es auch eine Alternative.
Bei Conrad Electronic
gibt es (unter anderem ;-) auch Kameramodule. Diese senden analoge
Videosignale - just das, was man an den VIDEO-IN-Eingang einer TV-Karte
oder modernen Grafikkarte anschließen kann.
Bevor wir anfangen können, benötigen wir ein paar kleine Teile:
Conrad Electronic bietet
viele verschiedene Kamera-Modelle an. Die Preise liegen zwischen DM
50 für ein s/w Modul und DM 100 für ein Farb-Modul. Es gibt auch
Kamera-Module mit einem stecknadelgroßen Objektiv - ideal für
eine Spy-Cam (Kostenpunkt DM 200)
Wir haben uns für ein Farb-Modul für DM 100 entschieden, das eine
Auflösung von 628 x 582 Pixeln bei PAL (der in Europa gängigen
Fernsehnorm) und 510 x 492 bei NTSC (der amerikanischen Fernsehnorm) liefern
kann. Die Größe des Kamera-Moduls ist ca. 3 x 2 cm. Das Datenblatt der
Kamera mit den genauen Abmessungen und Spezifikationen kann
hier
heruntergeladen werden.
Zusätzlich benötigen wir noch ein paar Kondensatoren und Kleinkram
sowie ein Netzteil, das 12 Volt liefert und automatisch heruntergeregelt
wird.
Hier die komplette Einkaufsliste für
Conrad Electronic -
Gesamtkosten ca. DM 120.
- 1 x Bestellnummer 190317 - das Kameramodul
- 1 x Bestellnummer 527769 - eine Lötplatine
- 1 x Bestellnummer 179205 - der Spannungswandler
- 1 x Bestellnummer 188271 - der Kühlkörper für den Spannungswandler
- 2 x Bestellnummer 453358 - Kondensatoren
- 2 x Bestellnummer 460699 - Mini-Elkos
- 1 x Bestellnummer 731510 - Chinch-Stecker für den einfachen Anschluß
Das ist bereits alles.
Ein Lötplan ist bereits im Datenblatt enthalten. Allerdings kommt
damit jemand wie ich, der ungefähr so viel von Elektrotechnik versteht
wie vom Mäuse melken, nicht so ganz zurecht. Gott sei Dank ist
im Conrad-Katalog auf der Seite mit den Kamera-Modulen (Seite 880) ein
einfacher zu verstehender Schaltplan für unsere Kamera (Modul 3) zu
finden.
Hier eine Nachzeichnung (Conrad-Kataloge eigenen sich nicht wirklich
zum Scannen - zu dünnes durchscheinendes Papier).

Zu beachten ist:
- die beiden schwarzen ELKOs (Bestellnummer 460699) müssen so eingebaut
werden, daß der Minus-Pol dem weißen Balken entspricht. Im
aktuellen Conrad Katalog ist hierzu beim Bauteil selbst eine Skizze,
welcher Ausgang was ist
- beim kleineren schwarzen Kondensator (Bestellnummer 453358) ist es
egal, wo Plus und Minus angeschlossen werden - daher 2 schwarze Balken
- der Spannungswandler ist unbedingt korrekt einzubauen (es findet
eine Spezifikation der Anschlüsse im Conrad-Katalog
auf Seite 941), da sonst die Spannung von 12 Volt nicht auf 5 Volt
heruntergeregelt wird. Das Kameramodul wird trotzdem laufen - ziemlich genau
4 Stunden....seufz. Von vorne, so daß die Schrift korrekt
lesbar ist, sind
die Eingänge von links nach rechts wie folgt: Eingang, Masse,
Ausgang.

- der Spannungswandler braucht diesen Kühlkörper. Die 75 Pf da zu sparen wäre falsch.
- bei der Kamera ist Ausgang 1(PWR), Ausgang 2(GND) und Ausgang 3(CVO) ist. (vgl. Conrad-Catalog)
Auf den folgenden Fotos (ich bitte die Größe der Seite zu enschuldigen) sollte der Schaltplan klarer werden.
Hier ein paar Fotos unserer Lösung.
 Die Hauptplatine von oben
 Das Kameramodul selbst ist kleiner als mein Daumen
 Die Kamera mit Netzteil
Das war es bereits.
Bevor wir unsere neue Kamera ausprobieren, werden wir selbstverständlich
mit einem geeigneten Spannungsmeßgerät überprüfen,
ob irgendwo noch leitende Verbindungen sind und nicht sein sollten ... !
Nachdem wir das gewissenhaft gemacht haben, schließen wir die
Stromquelle (ein 12 Volt Netzteil) an und stecken in den schwarzen Stecker
der Kamera ein Chinch-Kabel (als Verlängerung) und stecken die andere
Seite des Chinch-Kabels in den Antennen-Eingang des Fernsehers.
Wenn korrekt gelötet worden ist, dann sehen wir jetzt das Bild unserer Kamera -
den Objektiv-Schutz der Kamera zu entfernen, daran haben wir gedacht ;-)
Wer Lust hat, kann die Schaltung noch etwas ergänzen. Falls Sie sehen wollen,
ob die Kamera an- oder ausgeschaltet ist, dann sollten Sie eine rote LED
ans Gehäuse anbringen. Dafür eignet sich hervorragend die Spezial LED aus dem Conrad-Katalog
mit der Bestellnummer 182427. Die LED muß dann vor dem Kameramodul angeschlossen
werden (die im Schaltplan mit 1 und 2 eingezeichneten Stellen).
Viel Spaß mit der neuen Kamera.
Programme wie Kwintv oder xawtv können die Signale unserer Kamera
abgreifen und aufzeichnen. Ich habe sie bei mir an meine Hauppauge WinTV
Fernsehkarte angeschlossen. Zu beachten ist dabei: man muß den
Chinch-Stecker der Kamera in den kleinen grauen Adapter für den
composite1 Eingang anstecken - andere Eingänge funktionieren nicht.
Desweiteren muß man im Programm selbst (xawtv oder kwintv) als
Quelle Composite1 angeben.
Eine andere Anwendung als Webcam ist mit bttvgrab (kann über
www.freshmeat.net heruntergeladen
werden) zu realisieren. Hier gibt es die WebCam-Option. Dabei kann dann
mittels ncftpput (ncftp kann man über
www.freshmeat.net herunterladen)
die Bidler automatisiert an einen Webserver via FTP übertragen.
Wichtig: Das Config-File für ncftpput darf nur für den
Eigentümer lesbar sein, da es den Usernamen und das Paßwort
für den Webserver im Klartext enthät.
Meine Lösung ist zwar nicht unbedingt elegant, funktioniert
dafür aber. Ich benutze 2 Scripte, webcam-an und webcam-aus. Was
sie machen ist klar.
| webcam-an |
#!/bin/sh
echo "an" > /tmp/camera-status
set-tv camera
echo "Tuner auf Composite1";
# nohup bttvgrab -f file:/tmp/webcam1.jpg -s 10 -w 200 -o jpg -Q -g /tmp/videolog &
while (test -e /tmp/camera-status)
do
echo "Kamera an - Bilder werden gesendet";
nohup bttvgrab -f file:/tmp/webcam1.jpg -l 1 -s 1 -w 200 -o jpg -Q -g /tmp/videolog &
sleep 3
cp /tmp/webcam1.jpg /tmp/webcam.jpg
sleep 3
ncftpput -u FTPBENUTZERNAME -p FTPPASSWORT URL ZIELVERZEICHNIS /tmp/webcam.jpg
sleep 3
done
echo "Kamera aus - Uebertragung gestoppt";
|
(download)
und
| webcam-aus |
#/bin/sh
if (test -e /tmp/camera-status)
then {
rm /tmp/camera-status
sleep 10
cp /tmp/webcam-offline.jpg /tmp/webcam.jpg
ncftpput -u FTPBENUTZERNAME -p FTPPASSWORT URL ZIELVERZEICHNIS /tmp/webcam.jpg
echo "Kamera aus - Aus-Bild uebertragen";
}
else {
cp /tmp/webcam-offline.jpg /tmp/webcam.jpg
ncftpput -u FTPBENUTZERNAME -p FTPPASSWORT URL ZIELVERZEICHNIS /tmp/webcam.jpg
echo "Kamera war aus";
}
fi
|
(download)
Dann werden die Bilder der Kamera automatisch auf dem Webserver upgedatet.
Viel Spaß damit !
- Aktueller Conrad-Katalog Seiten 880, 881, 941, u.a.
- man ncftp
- man ncftpput
- man bttvgrab
- man xawtv
- man kwintv
Ich möchte an dieser Stelle Jan ganz herzlichen Dank aussprechen. Er
ist es, der die Idee hatte, eine Kamera zu bauen, und er war es auch, der mir
die Kamera gelötet hat. Ohne ihn gäbe es diesen Artikel nicht.
Vielen Dank, mein alter Freund !
Dieser Artikel basiert auf einem Text von Matthias Kranz.
Weitere Texte von M. Kranz und Jan Thiele findet man auf der Homepage
http://www.price-of-freedom.de
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-verpolt? - 7.10., Gernot Tenchio
-Re: verpolt? - 8.10., Ronny Ziegler
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