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LinuxNetMag #5
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Die Mäuse mit zusätzlichem Rädchen werden immer beliebter, weil Sie die
Arbeit am PC um vieles vereinfachen.
Zumeist liegen dem Produkt aber nur Windows-Treiber bei. Also was tun?
Ein zusätzliches Rädchen an der Oberseite der Maus gibt einem zusätzliche
Freiheiten beim Bedienen des PCs mittels Maus.
Einmal kurz am Rädchen gedreht, schon ist man am Ende des Dokuments,
und genausoschnell kann man auch durch Webseiten scrollen, wenn,
ja wenn die Maus denn auch unter Linux unterstützt wird.
Aber meistens (eigentlich immer) findet man nur Windows-Treiber in
der Schachtel, mit der die Maus vertrieben wird.
Wo bekommt man nun die Treiber für Linux her ?
Es mag vielleicht überraschend klingen, aber unter Linux werden solche Mäuse
(solange sie sich an den PS/2-Standard halten) standardmäßig unterstützt, und
das ganze ohne jegliche Treiber!
Die Bewegung des Rädchens erzeugt nämlich das selbe Signal, wie das Drücken
einer vierten oder fünften Maustaste.
Mäuse mit derart vielen Tasten werden allerdings heutzutage kaum noch benutzt,
so daß das Wissen um derartige Technik schon fast verschollen scheint.
Zumindest wird man wohl kaum eine Distribution finden, bei der diese Tasten
schon standardmäßig unterstützt werden.
Alles, was man tun muß, ist den X-Programmen mitzuteilen, daß das Drücken
der vierten oder fünften Taste (abhängig davon, ob man das Rädchen nach oben
oder nach untern bewegt), dem Drehen des Rädchens entspricht.
Kurz eingestellt, und schon wäre man fertig. Aber wen wundert's, daß unter Linux
mal wieder etwas weiter gedacht wurde und die Möglichkeiten viel umfangreicher
sind, als bei der firmeneigenen Software für Windows.
Es gibt nämlich doch Treiber, soweit man sie derart nennen kann. Jedoch
sind diese wesentlich flexibler zu benutzen, als nur zum Scrollen von Texten.
Wollen Sie das Drehen des Rädchens vielleicht bei xmms zum Einstellen der
Lautstärke verwenden und bei gkrellm (denn was sollte man da scrollen) zum Wechseln
der virtuellen Desktops ?
Kein Problem. Sie können die Funktion des
Rädchens frei konfigurieren, je nach Belieben.
Damit eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, denen nur durch die Ideen des Benutzers
Grenzen gesetzt scheinen. Besonders interessant ist es, das Rädchen
bei TV-Applikationen (für alle diejenigen, die eine TV-Karte besitzen) zum Wechslen
des Programms zu benutzen. In Verbindung mit einer kabellosen Funkmaus hat man
so eine ideale Fernbedienung (welche ansonsten für ca. 100 DM extra gekauft
werden müsste). Und der Genuß, mit einem Rädchen durch die Programme zu zappen,
ist derart groß, daß man sich nur wundert, daß normale Fernbedienungen noch nicht
alle mit einem Rädchen ausgestattet sind.
Bevor wir aber jetzt ins Schwärmen über die vielen Möglichkeiten geraten, erstmal
zur trockenen Installation.
Als erstes muß man den X-Server derart konfigurieren, daß die Bewegung des Rädchens
als Drücken der vierten und fünften Maustaste entspricht. Dies ist (wie oben
erwähnt) heutzutage nicht standardmäßig eingestellt.
Dafür ändert man die XF86Config, die man häufig unter /etc/X11/
findet. Dort ändert man die Einstellungen im Abschnitt Pointer
folgendermaßen
| Datei /etc/X11/XF86Config |
Section "Pointer"
Protocol "IMPS/2"
Device "/dev/mouse"
ZAxisMapping 4 5
EndSection
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Sollten Sie bereits im Besitz der XFree86-Version 4.0 sein, muß die Konfiguration
etwas anders aussehen
| Datei /etc/X11/XF86Config |
Section "InputDevice"
Identifier "Mouse"
Driver "mouse"
Option "Protocol" "imps/2"
Option "Device" "/dev/psaux"
Option "ZAxisMapping" "4 5"
Option "Buttons" "3"
EndSection
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Nach einem Neustart des X-Servers könnte das Rädchen schon benutzt werden,
wenn die vierte und fünfte Taste vom X-Programm schon von vornherein unterstützt
werden würde.
Dies ist aber nur bei wenigen Programmen der Fall, wie z.B. xmms oder StarOffice.
Bei einigen anderen Programmen kann man mit viel Aufwand eine Unterstützung durch
Änderungen in der ~/.Xdefaults noch nachträglich eine Unterstützung
des Rädchens implementieren.
Aber es geht auch einfacher.
Die bereits angesprochene freie Tastenbelegung der Rädchenbewegung erfolgt mittels
des Programmes imwheel, welches unter
http://jcatki.dhs.org/ zu finden ist (lassen
Sie sich vom seltsamen Bild nicht abschrecken; die Seite ist richtig). Benutzen
Sie die Version imwhell.nogpm.
Nach dem Entpacken und Installieren des Programms führen Sie folgende Befehle
(als root) aus:
>> make
>> make install
Vor dem Aufruf des Programms sollte man gpm beenden, falls dieses läuft, da es
ansonsten zu Konflikten kommen könnte:
>> gpm -q
(Dieser Befehl muß notfalls als root ausgeführt werden, wenn Sie als user nicht die
notwendigen Rechte besitzen)
Danach können wir unbesorgt imweel starten
>> imwheel
und sollte in etwa folgende Ausgabe erzeugen
| Ausgabe imwheel |
imwheel is not checking/writing a pid file, BE CAREFUL!
An imwheel may be running already, two or more imwheel processes
on the same X display, or using gpm -W, will not operate as expected!
imwheel started (pid=1031)
|
Ein Blick mit ps in die Liste der laufenden Prozesse, sollte
Aufschluß darüber liefern, ob imwheel auch wirklich läuft.
Sollte imwheel laufen, geht es nun an die Konfiguration des Programms.
Eine systemweite Konfiguration von imwheel erfolgt mittels der Datei
/etc/imwheelrc. Diese Konfiguration kann aber von jedem Benutzer überschrieben
werden durch das Anlegen der Datei ~/.imwheelrc .
Abhängig davon, ob Sie nur für sich oder für alle Benutzer des Systems eine
Konfiguration erstellen wollen, editieren Sie die entsprechende Datei.
Eine Beispielkonfiguration könnte so aussehen:
| ~/.imwheelrc |
"gkrellm"
None, Down, Control_L|Meta_L|Right
None, Up, Control_L|Meta_L|Left
#gekrellm befindet sich zumeist auf jedem virutellen Desktop, deshalb
#eignet es sich bestens zum wechseln der einzelnen Desktops
#benoetigte (Tastenkombination kann bei ihrem Windowmanager ander sein
"Gimp"
Alt_L, Up, KP_Add
Alt_L, Down, minus
#Wers mag, kann mittels der Radmaus und der Alt-Taste bei
#gimp ins Bild zoomen
"Terminal"
None, Up, Shift_R|Page_Up
None, Down, Shift_R|Page_Down
#Das Raedchen wird benutzt zum anschauen der Ausgaben
"xmms"
None, Up, Up, 5
None, Down, Down, 5
#Lautstärke regulieren und durch die Playlist scrollen
"kwintv"
None, Up, Up
None, Down, Down
#Programm wechseln -- absoluter Genuss!
"xedit"
None, Up, Up, 20
None, Down, Down, 20
#20 Zeilen scrollen
"XCmail *"
None, Up, Up
None, Down, Down
"Netscape"
None, Up, Up, 25
None, Down, Down, 25
#25 Zeilen scrollen -- angenehmes Lesen
"AleVT"
None, Up, Right
None, Down, Left
#Durch die Videotext-Seiten surfen
"emacs"
None, Up, Page_Up
None, Down, Page_Down
#ab zur naechsten Seite scrollen
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Der Syntax der Konfigurations-Datei ist dabei
"PROGRAMMNAME"
GEDRÜCKTE_TASTE, RADBEWEGUNG_UP, AUSZUFÜHRENDE_TASTENKOMBINATION, HÄUFIGKEIT
GEDRÜCKTE_TASTE, RADBEWEGUNG_DOWN, AUSZUFÜHRENDE_TASTENKOMBINATION, HÄUFIGKEIT
Beim Programmnamen sind auch Joker-Zeichen erlaubt und ein Weglassen der
Häufigkeit bewirkt ein einmaliges Ausführen der Tastenkombination.
Wie aber erfährt man den Programmnamen einiger Applikationen oder Fenster? Nicht immer
entspricht dieser dem Befehl zum Starten eines Programms.
Auch dafür wurde gesorgt, und mit einem wilden hoch-und-runter-Drehen
des Rades auf dem freien Desktophintergrund erscheint ein kleines Fenster:
In dem erscheinenden Fenster sehen Sie einen Screenshot des aktuellen Desktops.
Klicken Sie diesen Screenshot an, und daraufhin das Programm-Fenster, von welchem
Sie den Titel erfahren möchten. Daraufhin erscheint im Imwheel-Fenster ein Screenshot des Programms und oben
rechts auch der Titel, den Sie für die .imwheelrc-Konfiguration
benötigen.
Der Knopf Reload unten rechts im Imwheel-Fenster dient dem Neuladen der
Konfigurations-Dateien, falls Sie diese während des laufenden Programms
geändert haben.
Sie sollten nun alles an benötigtem Wissen erhalten haben, um Ihre
Wheel-Mouse nach Belieben den eigenen Wünschen anpassen zu können.
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