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LinuxNetMag #5
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Wenn man im Besitz einer TV-Karte ist, kann man auch unter Linux in den Genuß
dieser Hardware kommen.
Die richtige Konfiguration, Hardware und Software natürlich vorausgesetzt.
TV-Karten werden immer beliebter. Statt einen Fernseher mit Internetfähigkeiten
auszurüsten, wie es immer mehr TV-Hersteller probieren, ist es viel sinnvoller,
seinen PC mit einer Fernsehkarte zu beglücken.
Schon seit längerer Zeit werden ein Teil dieser Karten, bei denen zumeist nur
Windows-Treiber beiliegen, auch von Linux unterstützt.
Die bttv-Treiber des Video4Linux Projektes sind Hauptarbeitsfeld des bekannten
Kernel-Programmierers Alan Cox.
Viel hat sich in den letzten Monaten in der Treiber-Unterstützung getan,
besonders die Stabilität hat stark zugenommen.
Weil unter Windows die firmeneigenen Programmierer es anscheinend nicht
schaffen, eine stabile Version ihrer
eigenen Software zu bieten, hängt sich Windows mit Regelmäßigkeit gleich mit auf,
wenn die TV-Software mal wieder abstürzt.
Im Vergleich dazu ist die Linux-Software geradezu phänomenal stabil.
Natürlich gibt es auch hier Abstürze, aber nur in den wenigsten Fällen ist ein
Reboot fällig, denn häufig reicht ein Neustarten der TV-Software.
Leider kann es tatsächlich passieren, daß bei der Benutztung einer TV-Karte
der X-Server seine Mitarbeit einstellt, und ein Reboot unausweichlich ist.
Mit jeder neu erscheinenden Kernel-Version nimmt die Stabilität aber
kontinuierlich zu.
Die Liste der unterstützen Karten wächst ständig. Am besten und
umfangreichsten werden alle Karten mit Bt848/Bt848a/Bt849/Bt878/Bt879
und normalen Composite/S-VHS Eingang unterstützt.
Darunter fällt auch die in Deutschland so beliebte Hauppauge Win/TV PCI-Karte.
Ein kleiner Auszug aus der Liste der unterstützten Karten:
- Hauppauge Win/TV pci
- MATRIX Vision
- Miro/Pinnacle PCTV
- AverMedia
- ADS Channel Surfer
- Maxi TV Video PCI 2 card
Eine umfangreiche Liste befindet sich unter http://www.multimedia4linux.de/videohardware.html
Will man seine TV-Karte unter Linux ansprechen, benötigt man die entsprechende
Unterstützung im Kernel eingebunden.
Nur in den wenigsten Linux-Distributionen sind die benötigten Treiber schon
im Standard-Kernel.
So abschreckend es für viele auch sein mag, aber ums Kompilieren eines neuen
Kernels führt kein Weg vorbei.
Die Treiber im Kernel sollten auf alle Fälle als Modul kompiliert werden,
schon alleine wegen der Größe, die Video4Linux benötigt.
Zum Testen, ob die TV-Karte auch richtig angesprochen wird, kann man auch
anfangs die Treiber ersteinmal fest hineinkompilieren, um dann beim Booten
anhand der Meldung abzulesen, ob die Karte richtig erkannt wurde.
Falls ja, sollte der Kernel erneut, dann aber mit den Treibern als Modul
installiert werden.
Die benötigten Einstellungen in der Rubrik "Video for Linux" sind :
- Modulunterstützung für "Video For Linux"
- Treiber für eine Karte mit Bt848-Chipsatz (z.B. für Hauppauge-Karte)
- Treiber für Videotextunterstützung (z.B. für Hauppauge-Karte)
Nachdem man nun den Kernel kompiliert und installiert hat, benötigt man noch
einen Eintrag in der Datei /etc/conf.modules, damit die Module auch automatisch
geladen werden:
| Datei /etc/conf.modules |
alias char-major-81 bttv
pre-install bttv /sbin/insmod videodev
pre-install bttv /sbin/insmod i2c
pre-install bttv /sbin/insmod tuner
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Trotz dieser Einträge kommt es bei einigen TV-Programmen immer wieder zu
Problemen beim automatischen Laden der Module. Falls der Fensterinhalt
der TV-Software schwarz bleiben sollte (nicht blau, denn dann sind meistens
die falschen Treiber im Kernel!), ist es nötig, die Treiber nochmal
nachzuladen. Am schnellsten geschieht das mit einem kleinen Skript:
| Videomodule nachladen |
#!/bin/sh
/sbin/rmmod i2c
/sbin/rmmod tuner
/sbin/rmmod bttv
/sbin/rmmod videodev
/sbin/insmod i2c
/sbin/insmod tuner
/sbin/insmod videodev
/sbin/insmod bttv
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Nachdem nun alle Voraussetzungen geschaffen worden sind, um Fernsehen zu können,
widmen wir uns nun der notwendigen Software, um die Fähigkeiten der Karte auszunutzen.
Die komfortabelste Software, um unter Linux Fernsehen schauen zu können, ist
kWinTV.
Das KDE-Programm bietet eine komfortable Konfiguration, eine automatische
Kanalsuche und einen einfach zu handhabenden Kanal-Browser.
Neben der Fähigkeit, Screenshots vom momentanen TV-Bild zu nehmen, kann man
auch einen ganzen Videoclip im AVI-Format abspeichern, eine schnelle und
große Festplatte ist dafür allerdings Voraussetzung.
Der Algorithmus zur AVI-Aufnahme ist nicht so effektiv, wie von einigen ähnlichen textbasierenden
Tools (z.B. bttv-grab), so daß bei langsamen Rechnern viele Frames verloren gehen und das Video
häufig Querstreifen besitzt.
Trotzdem ist kWinTVs Fähigkeit, AVIs aufzunehmen, beeindruckend, denn selbst
Windows-Programme bieten bei der AVI-Aufnahme zumeist eine schlechtere Frame-Rate.
Bei einigen X-Servern kann es zu Problemen bei der Darstellung kommen.
Dies zeigt sich dahingehend, daß Reste des TV-Bildes noch auf anderen Programmfenstern
zu sehen sind und nicht mehr verschwinden wollen
(Screenshot).
Bei solchen Problemen sollten Sie den X-Server mit der zusätzlichen Option
"-bs" starten.
Das Programm kWinTV erhält man unter:
http://www.mathematik.uni-kl.de/%7Ewenk/kwintv/index.html
Gnomovision ist das offizielle TV-Programm von Gnome, allerdings noch stark in
der Entwicklung.
Neuere Versionen sind nur per CVS erhältlich.
Das Programm benötigt einen X-Server, der die XVideo-Erweiterung
besitzt, was XFree86 allerdings erst ab der noch in Beta befindlichen
Version 4.0 oder einer der neuen 3.9-Versionen bietet.
Deshalb ist dieses Programm wohl für die meisten Anwender noch nicht
geeignet und wird sich erst in nächster Zukunft eines breiten Einsatzes
erfreuen.
Homepage: http://www-unix.ecs.umass.edu/~mcrichto/gvision.html
FTP: ftp://ftp.jimpick.com/pub/gnome/snap/gnomovision/
GnomeTV ist da schon eher für den praktischen Einsatz geeignet. Es
besteht sowohl aus einem Programm zum Fernseh-schauen, als auch einem Programm, um
Videotext zu lesen. Gleichzeitig erzeugt es ein Applet im Gnome-Panel, über
welches man schnell durch die Kanäle zappen kann.
Leider ist es mit diesem Programm noch nicht möglich, Screenshots zu erzeugen oder
gar AVI-Videos aufzunehmen. Stattdessen kann man aber, falls man im Besitz
einer Infrarot-Schnittstelle ist und die entsprechende Unterstützung
im Kernel besitzt (LIRC), eine Fernbedienung benutzen. Die Befehle, die bei
den entsprechenden Fernbedienungs-Tasten ausgeführt werden sollen, lassen sich auf einfache Weise
in den Preferences einstellen.
Homepage: http://gnometv.sourceforge.net
Aber auch Videotext wird unter Linux unterstützt, wenn die entsprechende
Option im Kernel integriert wurde.
Das wohl beste Videotext-Programm unter Linux ist AleVT, welches sich
besonders durch die einfache Handhabung auszeichnet.
Man kann Verweise innerhalb des Textes einfach mit der Maus anwählen, und
AleVT erkennt automatisch, daß es sich um eine andere VT-Seite handelt, und
springt zur neu gewählten Seite.
Zusätzlich werden alle bereits übermittelten Seiten zwischengespeichert, so
daß man ohne Zeitverzögerung durch die verschiedenen Seiten wandeln kann.
Der Programmaufruf von AleVT hat besonders für Anfänger noch seine Tücken.
Wegen Fehlern im alten bttv-Treiber, ist es notwendig, bei Kerneln der Reihe
2.2.x noch zusätzlich die Option -oldbttv anzugeben.
Auf die Dauer ist es störend, daß AleVT beim Starten automatisch die
programmeigene Seite 900 startet. Um stattdessen die normale Standardseite
100 anzeigen zu lassen, braucht man noch die Option -parent 100, so daß
der gesamte Programmaufruf folgendermaßen aussieht:
>> alevt -oldbttv -parent 100
Um zwischen den verschiedenen Kanälen zu wechseln, benötigt man
aber immer noch ein TV-Programm, welches dann zum Kanalwechsel benutzt wird,
also z.B. kWinTV.
Die Homepage von AleVT befindet sich unter
http://user.exit.de/froese/
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